简体中文
繁體中文
English
Pусский
日本語
ภาษาไทย
Tiếng Việt
Bahasa Indonesia
Español
हिन्दी
Filippiiniläinen
Français
Deutsch
Português
Türkçe
한국어
العربية
Was gerade am japanischen Anleihemarkt passiert – und warum es Investoren weltweit nervös macht
Zusammenfassung:Steigende Renditen und politische Unsicherheit erschüttern Japans Märkte.lemaret pierrick/Shuttersto
Steigende Renditen und politische Unsicherheit erschüttern Japans Märkte.
Ein sprunghafter Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen hat am Dienstag Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten ausgelöst.
Politische Unsicherheit verschärft die Lage: Premierministerin Sanae Takaichi drängt auf vorgezogene Neuwahlen und stellt neue finanzpolitische Weichen in Aussicht.
Die Entwicklung in Japan könnte auf die Zinsniveaus in den USA und Europa übergreifen, da globale Investoren ihre Portfolios neu ausrichten.
Die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, die Zölle für wichtige europäische Volkswirtschaften anzuheben, haben die Märkte am Dienstag erschüttert. Zusätzlich belastet der deutliche Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen die Stimmung der Anleger.
Die Renditen japanischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 40 Jahren stiegen am Dienstag von 3,94 Prozent am Montag auf 4,2 Prozent und überschritten damit erstmals die Marke von vier Prozent. Zu Jahresbeginn hatten sie noch bei 3,6 Prozent gelegen. Auch die Renditen von Staatsanleihen mit 30- und 20-jähriger Laufzeit zogen deutlich an.
In einer Mitteilung an seine Kunden am Dienstag bezeichnete Jeffrey Favuzza, Aktienhändler bei der us-amerikanischen Investmentbank Jefferies, den Ausverkauf als eine Abwärtsbewegung von zwei Standardabweichungen. Steigende Renditen führen dabei automatisch zu fallenden Anleihepreisen.
Was steckt hinter der Volatilität? Eine mögliche Aussetzung der Lebensmittelmehrwertsteuer.
Am Montag kündigte die japanische Premierministerin Sanae Takaichi vorgezogene Parlamentswahlen für den 8. Februar an. Ihr Ziel ist es, im neuen Parlament mehr Unterstützung für ihre Agenda zu gewinnen, zu der auch ein Vorschlag gehört, die 8-prozentige Steuer auf Lebensmittel für zwei Jahre auszusetzen.
Die Nachricht traf die Anleger hart. Die Staatsverschuldung Japans war bereits zuvor ein Grund zur Sorge, und viele fürchten, dass eine solche Steuerbefreiung die ohnehin angespannte Finanzlage weiter verschlechtern könnte.
Trump will neue Zölle wegen Grönland – Anleger stoßen US-Aktien ab
Um 10.30 Uhr Eastern Time (ET) lag der S&P 500 1,16 Prozent im Minus, während der Nikkei 225 um 1,11 Prozent gefallen war. Unterdessen stieg der Goldpreis, das zunehmend als Absicherung gegen eine mögliche weltweite Abwertung sogenannter Fiat-Währungen – also Papierwährungen wie US-Dollar, Euro etc. – gilt, um 3,3 Prozent. Die Turbulenzen auf dem japanischen Anleihemarkt waren Teil eines Doppelschlags, der die Märkte erschütterte – gemeinsam mit der zunehmend aggressiven Rhetorik von Donald Trump in Bezug auf Grönland.
„Diese Entwicklungen zeigen, wie sehr die Anleger von der vorgezogenen Wahl enttäuscht sind, die eine Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel verspricht und damit die angespannte Haushaltslage weiter verschärft“, erklärte David Rosenberg, Gründer von Rosenberg Research, am Dienstag in einer Mitteilung. „Seit Takaichi im Oktober ihr Amt antrat, sind die langfristigen Zinsen um 80 Basispunkte gestiegen – mit spürbaren Auswirkungen weltweit.”
„, Work-Life-Balance für mich abgeschafft“ – Japans neue Regierungschefin schläft „nur zwei Stunden”
Die steigenden Renditen japanischer Staatsanleihen wirken sich aufgrund des überproportionalen Einflusses Japans auf die globalen Kapitalströme auf die breiteren Märkte aus. Sowohl inländische als auch ausländische Investoren haben die zuvor niedrigen Renditen genutzt, um ihre Positionen in höher verzinslichen Anlagen wie US-Staatsanleihen und Aktien auszubauen.
Angesichts der steigenden Renditen könnten japanische Anleger ihre Investitionen vom US-Anleihemarkt abziehen und stattdessen auf inländische Staatsanleihen setzen. Das weckt erneut die Befürchtungen einer Auflösung des sogenannten „Carry Trade – einer Strategie, bei der Anleger sich zu niedrigen Zinsen in Japan Geld leihen, um es in höher verzinste Anlagen im Ausland zu investieren. Steigen die Renditen japanischer Anleihen, steigt das Risiko, dass Anleger ihre gehebelten Positionen aufgeben, um Verluste zu vermeiden.
Wie Trump die unaufhaltsame Rekordjagd von Gold und Silber erneut befeuert
Die Renditen von US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit stiegen am Dienstag von 4,84 Prozent am Montag auf 4,9 Prozent. Höhere Renditen langfristiger Anleihen wirken sich im Allgemeinen negativ auf die Aktienmärkte aus, da risikofreie Anlagen mit längerer Laufzeit nun vergleichsweise attraktive Erträge bieten.
Wie sich die Lage in Japan in den kommenden Tagen entwickelt, sollte für Anleger oberste Priorität haben, erklärte Jean Boivin, Leiter des BlackRock Investment Institute, am Dienstag in einer Mitteilung.
„In einer eher ruhigen Datenwoche beobachten wir, was die globalen Flash-PMIs über die weltweite Konjunktur aussagen. Ansonsten liegt der Fokus auf Japan, wo die erwarteten vorgezogenen Neuwahlen den Weg für eine lockerere Fiskalpolitik der regierenden Liberaldemokratischen Partei ebnen und den Druck auf die globalen langfristigen Anleiherenditen erhöhen könnten, schrieben Boivin und sein Team.
Auch in dieser Woche sollten Anleger weitere wichtige Entwicklungen im Blick behalten.
Am Mittwoch hält Trump eine Rede in Davos, in der er möglicherweise weitere Informationen zu seinem Vorhaben, Grönland von Dänemark zu erwerben, bekannt gibt. Zudem könnte er am Donnerstag auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an einem Abendessen der G7-Staats- und Regierungschefs in Paris teilnehmen. Am Freitag werden die Daten zur Verbraucherstimmung in Michigan veröffentlicht. Sie könnten Hinweise darauf liefern, ob die erneute Unsicherheit rund um Zölle die wirtschaftlichen Erwartungen der Amerikaner belastet.
Haftungsausschluss:
Die Ansichten in diesem Artikel stellen nur die persönlichen Ansichten des Autors dar und stellen keine Anlageberatung der Plattform dar. Diese Plattform übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Artikelinformationen und haftet auch nicht für Verluste, die durch die Nutzung oder das Vertrauen der Artikelinformationen verursacht werden.
